Der Ratenkredit I (Teilzahlungskredit)
Unter „Ratenkredit" werden zum einen die persönlichen Ratenkredite (Kleinkredite und Anschaffungsdarlehen) verstanden, zum anderen aber auch die Teilzahlungskredite.
Die gemeinsamen Charakteristika dieser beiden Kategorien von Ratenkrediten sind:
- Sie sind von mittelfristiger Laufzeit.
- Die Tilgung erfolgt in gleichen monatlichen Raten entsprechend einem festgelegten Tilgungsplan.
- Die Zinsberechnung erfolgt vom ursprünglichen Kreditbetrag, und zwar wahrend der gesamten Laufzeit des Kredits.
- Es wird eine einmalige Bearbeitungsgebühr in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes vom Kreditbetrag erhoben. Die Bearbeitungsgebühr ist bei der Ermittlung des effektiven Zinssatzes des Ratenkredits zu berücksichtigen.
Charakterisierung des Teilzahlungskredits
Es sind drei Formen des Teilzahlungskredits zu unterscheiden, für die neben dein oben genannten Charakteristika jeweils spezifische Merkmale gelten.
- Das A-Geschäft. Beim so genannten A-Geschäft räumt die Bank dem Kunden einen Kredit unmittelbar in Form eines Schecks oder durch Barauszahlung für einen ganz bestimmten Verwendungszweck ein, zum Beispiel für den Kauf eines Automobils.
- Das B-Geschäft. Beim B-Geschäft stellt die Bank den Kredit nicht unmittelbar dem Kreditnehmer (der gleichzeitig Käufer einer bestimmten Ware ist) zur Verfügung, sondern dem Verkäufer der Ware. Diesen Krediten liegen Globalkreditverträge zwischen der Bank und dem Verkäufer zugrunde, in denen sich die Bank verpflichtet, den Kunden der Verkäuferfirma bis zu einer festgelegten Gesamtsumme Teilzahlungskredite einzuräumen. Die Kreditwürdigkeitsprüfung wird vom Verkäufer durchgeführt, wobei der Bank ein
Nachprüfungsrecht vorbehalten bleibt. Die Raten werden direkt vom Kreditnehmer an die Bank gezahlt.
Eine Variante dieser Kreditart besteht darin, dass der Verkäufer die Kreditanträge der Kunden mit seiner Stellungnahme versehen an die Bank leitet, diese dann die Kreditwürdigkeitsprüfung vornimmt und über den Kreditantrag entscheidet. Bei Auszahlung des Kredits an den Verkäufer wird ein bestimmter Prozentsatz auf einem Sperrkonto einbehalten. Erst nach Eingang aller Rückzahlungsraten (Tilgung, Zinsen, Gebühren) wird der zurückbehaltene Betrag an den Verkäufer freigegeben.
- Das C-Geschäft. Typisches Merkmal des C-Geschäftes ist, dass dieser Kredit nicht als Buchkredit, sondern auf Wechselbasis gewährt wird. Entweder der Verkäufer der Ware oder die Bank zieht Wechsel über die einzelnen Teilzahlungsraten, die der Käufer akzeptiert. Im ersten Fall diskontiert die Bank die Wechsel und schreibt dem Verkäufer den Gegenwert gut. Im zweiten Fall zahlt die Bank den Kaufpreis an den Verkäufer und nimmt die Wechsel als Aussteller ins Portefeuille. In beiden Fällen erhält sie bei Fälligkeit der Wechsel vom Kreditnehmer den entsprechenden Gegenwert.
Verwendungszwecke des Teilzahlungskredits
Im Rahmen des A- und des B-Geschäfts werden in erster Linie Konsumentenkredite vergeben, die in der Regel für die Anschaffung langlebiger Konsumgüter, zum Beispiel Kraftfahrzeuge, Möbel, Elektrohaushaltsgeräte, Stereoanlagen etc., verwendet werden. Dagegen werden C-Kredite häufig als gewerbliche Ratenkredite ausgereicht, um zum Beispiel Lieferwagen, Werkzeugmaschinen, Büroeinrichtungen zu kaufen.
Wurden Teilzahlungskredite ursprünglich vor allem von Teilzahlungsinstituten angeboten, sind sie heute auch in der Produktpalette der anderen Bankengruppen anzutreffen.
Bedeutung des Teilzahlungskredits für die Bank
Das Teilzahlungskreditgeschäft erfordert eine intensive Kreditüberwachung und — damit verbunden — ein aufwendiges Mahnwesen. Aus diesen Gründen ist eine relativ großzügige personelle Ausstattung unumgänglich.
Für Teilzahlungsbanken gilt, dass sie sich Einlagen grundsätzlich nur unter Zahlung höherer Habenzinsen beschaffen können als Universalbanken, ihre Refinanzierung also entsprechend teurer ist.
Für das C-Geschäft gilt, dass eine Refinanzierung bei der Deutschen Bundesbank aufgrund des Wechselmaterials, es handelt sich ja um Finanzwechsel, nicht in Frage kommt. Aus diesen Gründen liegt der monetäre Aufwand für Teilzahlungskredite verhältnismäßig hoch, was sich im Preis dieser Kreditart entsprechend niederschlägt.
Der Ratenkredit II (Persönlicher Ratenkredit)
Charakterisierung des persönlichen Ratenkredits
Neben den angeführten Merkmalen, die für Teilzahlungskredite und persönliche Ratenkredite gleichermaßen zutreffen, sind speziell für den persönlichen Ratenkredit folgende Charakteristika zu nennen:
- Die Gewährung eines persönlichen Kleinkredits setzt regelmäßig nur eine Gehaltsabtretung voraus; die Stellung weiterer Sicherheiten wird im allgemeinen nicht verlangt.
- Die Kreditwürdigkeitsprüfung beschränkt sich deshalb meist auf die Selbstauskunft des Kreditnehmers über seine Einkommens-, Beschäftigungs- und sonstigen persönlichen Verhältnisse. Bei höheren Kreditbeträgen — man spricht dann von persönlichen Anschaffungsdarlehen — ist allerdings die Stellung von Sicherheiten üblich. Die Betragsgrenze zwischen Kleinkredit und Anschaffungsdarlehen ist fließend, mag bei einer Bank also bei 5,000 Euro liegen, bei einer anderen bei 20.000 Euro.
Verwendungszwecke des persönlichen Ratenkredits
Persönliche Ratenkredite dienen ebenfalls der Anschaffung langlebiger Wirtschaftsgüter, zum Beispiel Möbel, PKW, Einrichtungen für Arzt- oder Zahnpraxen.
Bedeutung des persönlichen Ratenkredits für die Bank
Die Ausführungen zu den Teilzahlungskrediten gelten auch für persönliche Ratenkredite.
Das Schuldscheindarlehen
Charakterisierung des Schuldscheindarlehens
Beim Schuldscheindarlehen wird die Kreditsumme von der Bank im eigenen Namen und für eigene Rechnung in der Regel langfristig ausgezahlt. Es handelt sich nm Großkredite, die von Industrieunternehmen, öffentlichen Stellen oder anderen Kreditinstituten, insbesondere solchen mit Sonderaufgaben, in Anspruch genommen werden. Im Anschluss daran refinanziert sich die Bank durch Platzierung der Darlehensforderung bei anderen Kapitalsammelstellen, vorwiegend Versicherungsunternehmen. Der Kreditbetrag lautet meist auf mehrere Millionen Euro, die Platzierung erfolgt in einem Betrag oder in Teilbeträgen.
Die Bezeichnung „Schuldscheindarlehen" stammt aus einer Zeit, in der diese Darlehen gegen Hingabe eines einfachen Schuldscheins an öffentlich-rechtlichte Körperschaften gewährt wurden. Heute wird auf die Ausstellung eines Schuldscheins meist verzichtet.
Informationen zum
Realkredit.
Verwendungszwecke des Schuldscheindarlehens
Die den Unternehmen über Schuldscheindarlehen zufließenden Gelder werden zur Finanzierung von Investitionsvorhaben verwendet. Die Kreditvergabe ist allerdings nicht an einen bestimmten Verwendungszweck gebunden, da als Kreditnehmer nur bonitätsmäßig erstklassige Adressen in Frage kommen.
Alles zum
Sofortkredit und
Wertpapierkredit.
Bedeutung des Schuldscheindarlehens für die Bank
Da die Bank bei der Kreditgewährung zunächst eigene Mittel einsetzt, geht sie bis zur Unterbringung des Darlehens bei anderen Kapitalsammelstellen, die man als endgültige Kreditgeber bezeichnen könnte, eine Liquiditätsbindung ein. Sie trägt bis zum Zeitpunkt der Unterbringung auch das Kreditrisiko und und darüber hinaus ein Platzierungsrisiko, da die Gefahr besteht, dass die Platzierung nicht in vollem Umfang oder nicht laufzeitkongruent durchgeführt werden kann. Mit der Platzierung geht das Kreditrisiko auf die Käufer der Darlehensförderung über. Das Kreditrisiko ist wegen der hohen Bonität der Kreditnehmer aber in der Regel äußerst gering. Informationen zur
Tilgungsverrechnung und
Überziehungskredit.
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