Marktstellung

Für die Konkurrenzfähigkeit ist die Marktstellung eines Unternehmens gegenüber seinen Abnehmern und Lieferanten zur Aushandlung günstiger Preis- und Zahlungskonditionen entscheidend. Hinzu kommt, dass bei stark schrumpfenden Märkten eine starke Marktstellung und hohe Marktanteile zunächst bessere Voraussetzungen für ein "Überleben" des Unternehmens bieten. Andererseits ist zu beachten, dass allein die Größe und damit der Marktanteil eines Unternehmens nicht ausschlaggebend für die Überlebensfähigkeit ist. Es zeigt sich immer wieder, dass Unternehmen,

Es werden Finanzierungsreserven gezeigt- die sich in ihren Produkten besonders spezialisiert haben,
- die im Produktprogramm Nischen gefunden haben, in denen sie nicht direkt mit den "Großen" konkurrieren,
- die einen besonderen Service bieten können,
durchaus auch in Krisenzeiten überlebensfähig sind und unter Umständen eine höhere Rentabilität als Großunternehmen der gleichen Branchen erreichen. Insofern muss man mit Pauschalaussagen zu Unternehmen einer Branche äußerst zurückhaltend sein. Vielmehr ist es notwendig, den Einzelfall zu betrachten und zu analysieren.

Konkurrenzsituation
Wesentliches Ziel der Bonitätsprüfung ist die Feststellung der künftigen Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens. Bezüglich der Konkurrenzsituation, in der sich ein Unternehmen befindet, müssen folgende Faktoren untersucht werden:
- Besteht eine im Konkurrenzvergleich angemessene Produktqualität einschließlich Service?

- Sind die Produkte auch auf mittlere Sicht als marktgängig anzusehen?
- Ist das Unternehmen im Preis-Leistungs-Verhältnis gegenüber seinen Mitbewerbern konkurrenzfähig?
Erste Aussagen zur Konkurrenzsituation bzw. -fähigkeit lassen sich zumindest vergangenheitsbezogen aus der Umsatz- und Absatzentwicklung unter Berücksichtigung der Ertragssituation, wie sie sich aus dem Jahresabschluss ergibt, ablesen. Anhand von Brancheninformationen ist es darüber hinaus notwendig, sich über Neu- und Weiterentwicklungen von Produkten in einer Branche zu informieren, um festzustellen, ob das untersuchte Unternehmen hier im Trend liegt. Zu beachten bleibt, dass nicht die Qualität des Produktes allein, sondern auch der Service für die Konkurrenzfähigkeit von besonderer Bedeutung sein kann.
Wie bereits unter dem Stichwort "Marktpotential" dargestellt, ist für eine zukunftsbezogene Analyse die mittelfristige Marktgängigkeit der Produkte unter Berücksichtigung der Produktinnovation bzw. -weiterentwicklung durch die in- und ausländische Konkurrenz entscheidend.
Angesichts der ausländischen Konkurrenz, die häufig unter kostengünstigeren Bedingungen - insbesondere im Personalkostenbereich - produzieren kann, kommt dem Preis-Leistungs-Verhältnis bei Einschätzung der künftigen Konkurrenzfähigkeit besondere Bedeutung zu. Ein Unternehmen wird nur dann am Markt bestehen können, wenn es seine Produkte zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten kann. Die Preisgestaltung ist in besonderer Weise vom Rationalisierungsgrad und damit von der produktionstechnischen Ausstattung eines Unternehmens abhängig. Selbstverständlich können auch Einflüsse der Beschaffungsmärkte von Bedeutung sein, die sich durchaus unterschiedlich auf einzelne Unternehmen, vor allem im internationalen Vergleich, auswirken können.
In die Beurteilung der künftigen Konkurrenzsituation müssen die vorher behandelten unternehmensinternen und -externen Faktoren zur Bestimmung der Leistungsfähigkeit einfließen, um zu einem möglichst abgesicherten Urteil kommen zu können.

Finanzwirtschaftliche Position
Unternehmensstrategische Ziele wie Erschließung neuer Marktpotentiale, Produktinnovation sowie Rationalisierungsinvestitionen, d. h. notwendige Maßnahmen zur Zukunftssicherung, sind für ein Unternehmen nur darstellbar, wenn es über die ausreichende finanzwirtschaftliche Elastizität verfügt.
Finanzierungsstruktur
Bei der Betrachtung der Finanzierungsstruktur geht es nicht allein um die Quote der haftenden Eigenmittel, sondern die gesamte Innenfinanzierung eines Unternehmens muss unter dem Aspekt seiner künftigen Liquiditätsbelastung und der Zinsreagibilität untersucht werden. Ziel der Bonitätsprüfung muss es sein, nicht nur die Position eines Unternehmens in Zeiten relativ guter Konjunktur und niedriger Zinsen zu betrachten, sondern zukunftsbezogen Chancen und Risiken eines Unternehmens auch unter einem ungünstigen Szenario (Nachfragerückgang, steigende Zinsen) zu beurteilen. Insofern ist bei der zukunftsbezogenen Betrachtung zu prüfen, inwieweit derartige negative Faktoren aus dem Umfeld des Unternehmens durch eine entsprechende Finanzierung aufgefangen bzw. zumindest abgedämpft werden können.- Ratgeber finanzierung Haus.

Kostenstruktur
Im Rahmen der Bilanzanalyse wird im Mehrjahresvergleich die Entwicklung der Kostenstruktur anhand entsprechender Kennziffern (in Relation zur Gesamtleistung) untersucht. Bei einer zukunftsorientierten Bonitätsprüfung muss zusätzlich die Art der Kosten in der Unterscheidung nach variablen und fixen Kosten beachtet werden, um festzustellen, inwieweit ein Unternehmen in der Lage ist, bei rückläufiger Nachfrage mit seinem vorhandenen Kostenapparat entsprechend zu reagieren.
Die fixen und variablen Kosten eines Unternehmens lassen sich nicht ohne weiteres exakt durch einen externen Analytiker bestimmen. Hier muss dem Kreditnehmer die Frage gestellt werden, in welcher Form und in welchem Umfange er auf eventuelle Absatzrückgänge durch Kostenreduzierungen reagieren kann.
Eine Möglichkeit hierfür kann unter anderem auch darin bestehen, das Gehalt des geschäftsführenden Gesellschafters einer GmbH zu reduzieren. Diese Gehaltszahlungen stellen letztlich eine "verdeckte Gewinnausschüttung" dar und sind somit als variabler Kostenbestandteil zu werten, da die Höhe ergebnisabhängig ist. Im übrigen ist diese Kostenposition, soweit sie dem Analytiker bekannt ist, auch bei der Gesamtbetrachtung der Ertragskraft eines Unternehmens zu berücksichtigen. Die übrigen Personalkosten sind dem Fixkosten-Block zuzurechnen, sofern nicht durch Saisonarbeit oder vergleichbare Vertragsgestaltungen tatsächlich eine Kostenflexibilität gegeben ist.
Ferner kann eine gewisse Kostenflexibilität zum Beispiel durch Beschäftigung von Saisonarbeitern oder durch kurzfristige Leasingverträge, etwa für den Fuhrpark, erreicht werden.
- Ratgeber Finanzierungsplan oder alle Finanzierungsarten

Finanzierungsreserven

Die Finanzierungsreserven sind bei der Bewältigung von Krisensituationen und bei der Verfolgung unternehmensstrategischer Zielsetzungen eine wesentliche Voraussetzung. In der Regel lassen sich Finanzierungsreserven im Rahmen der normalen Bilanzanalyse nicht ermitteln.
Zu den Finanzierungsreserven zählen insbesondere:
Finanzierungsreserven - nicht genutzte Kreditlinien,
Finanzierungsreserven - nicht genutzte Zahlungsziele,
Finanzierungsreserven - stille Reserven (sofern liquiditätswirksam),
Finanzierungsreserven - nicht betriebsnotwendiges Vermögen,
Finanzierungsreserven - freie Beleihungsspielräume im Grundvermögen.
Bei der Betrachtung der Finanzierungsressourcen stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten das Unternehmen zur zusätzlichen Liquiditätsschöpfung hat.
Eine rechnerisch knappe Liquidität ist unbedenklich, wenn das Unternehmen über ausreichend freie Kreditlinien verfügt oder die Möglichkeit besitzt, beispielsweise zusätzliche langfristige Mittel unter Belastung seines Grundvermögens aufzunehmen.
Es sollte daher regelmäßig erfragt werden, über welche Kreditlinien ein Unternehmen verfügt, um den freien Liquiditätsspielraum anhand der Evidenzauswertungen der Deutschen Bundesbank oder zumindest anhand der letzten Bilanz- bzw. der letzten Zwischenabschlüsse feststellen zu können. Auch die freien Beleihungsspielräume sollten möglichst durch Informationen über für langfristige Kredite gegebene Sicherheiten festgestellt werden. Bei Kapitalgesellschaften ist die Stellung von Sicherheiten im Anhang anzugeben. Von dritter Seite gestellte Sicherheiten (zum Beispiel Bürgschaften der Gesellschafter oder dingliche Sicherheiten aus dem Privatvermögen der Gesellschafter) sind im Anhang nicht aufzuführen. Eine Überprüfung des für die Kreditvergabe wichtigen Grundsatzes der sicherheitenmäßigen Gleichbehandlung aller kreditgebenden Banken ist somit anhand des Anhangs nur eingeschränkt möglich. Immerhin lässt sich jedoch dem Anhang entnehmen, inwieweit die Aktiva eines Unternehmens durch Sicherheitenstellung bereits belastet sind, woraus sich Rückschlüsse auf freie Beleihungsspielräume und damit auf vorhandene Liquiditätsreserven ziehen lassen. - Der Finanzierungsvergleich oder eine Fremdfinanzierung.